"Einkaufen" - oder "Der Kampf mit dem Panda"
Wandern im Pulverschnee
kein Kommentar
Am Morgen des zweiten Tages
Die vereiste Kohte nach der ersten Übernachtung
Auf der Staumauer der Eckertalsperre (im Hintergrund die frühere Grenzmarkierung
Auf der Staumauer der Eckertalsperre
Studentenfutterpause
Aufstieg zum Molkenhaus
Letzte Vorbereitungen im Bad Harzburger Bahnhof

Winterfahrt 2005

Auf der DV (Delegierten-Versammlung) im November hatten Jochen und Dorius zu einer „Zwischen-den-Jahren-Fahrt“ eingeladen.

Anfang Dezember hatten sich dann fünf Leute zusammengefunden, die die Zeit vom 27. bis zum 31. Dezember im Schnee verbringen wollten: Lena S., Dorius, Jochen, Nico und Moritz W. Mit hoher Schneesicherheit und guter Erreichbarkeit bot sich der Harz als Fahrtengebiet an.

Am Morgen des 27. Dezembers trafen wir uns dick eingepackt am Göttinger Bahnhof. Leider hatte Lena am Vorabend ein Stück Paprika auf einer Pizza übersehen und musste nun ihre allergische Reaktion noch einen Tag zu Hause auskurieren; sie wollte dann zusammen mit Martin, der früher bei den Argonauten) war und gerade erst von der Fahrt gehört und sich spontan entschieden hatte mitzufahren, nachkommen. Nun mussten wir noch unsere Kohte abholen, einkaufen und ein Ticket besorgen. Netterweise erklärte sich Lena bereit uns mit ihrem Panda durch die Stadt zu kutschieren. Mit vier Leuten, drei Rucksäcken/Affen (Nico sollte erst in Kreiensen zu uns stoßen), einer Kohte und Lebensmittel für vier Tage kam es im Inneren des Wagens zu akutem Platzmangel. Auch die Zeit wurde knapp, doch am Ende schafften wir es sogar noch im indischen Laden Vollmilchpulver zu kaufen, welches im Gegensatz zu dem gebräuchlichen Magermilchpulver, das wir auf den vergangenen Großfahrten gegessen hatten, ein wahres kulinarisches Highlight ist.

Mit dem Zug ging es über Kreiensen nach Bad Harzburg. Nachdem wir im ersten Zug noch Essen und Material aufgeteilt und verstaut hatten, trafen wir in Kreiensen auf Nico und stiegen in den Zug nach Bad Harzburg. Wir begannen die Wanderung in Richtung Eckertalsperre und mussten dafür zuerst die Stadt durchqueren. Dann ging es auf einem recht steilen Wanderweg, der auch als Rodelbahn benutzt wird, bis zur Talsperre. Die Staumauer wurde früher durch die innerdeutsche Grenze zerteilt, was somit zu starken Komplikationen bei der Wassernutzung führte. Es war sehr neblig und außerdem schon fast 16 Uhr und so machten wir uns auf die Suche nach einem Lagerplatz. Wir fanden einen schönen Platz einige Minuten entfernt vom Weg am Ende eines steilen Hangs. Hier war die Schneedecke noch komplett unberührt. Der einzige Nachteil des Platzes war, dass er ziemlich exponiert und dadurch windig war. Wir suchten Feuerholz und Gestänge für Kreuz und Schere und holten Wasser. An der Stelle, wo wir die Kohte aufstellten, kratzten wir mit Topfdeckeln und Füßen den Schnee weg. Obwohl wir nur Holz zu Feuerholz verarbeiteten, das oberhalb der Schneedecke lag, hatten wir große Mühe ein Feuer zu entzünden. Nach über zwei Stunden hatten wir mit viel Ausdauer und Pusten sowie Rauch in den Lungen ein Feuer in Gang bekommen, das seinem Namen gerecht wurde und so konnten wir schließlich doch noch unser Abendessen und Tee kochen und unsere nassen Sachen trocknen. Um 0.30 machten wir erschöpft die letzte Kerze aus und hatten bereits gelernt, dass wir noch früher mit dem Aufbau beginnen sollten, um am Ende nicht in komplette Dunkelheit zu geraten.

Am nächsten Morgen war es eisig kalt. Über Nacht hatte es erneut geschneit und unter dem Schnee auf den Kohtenbahnen hatte sich eine Eisschicht gebildet. Es schneite immer noch und so war der Platz, auf dem wir die Kohte aufgestellt hatte, nach dem Abbau in kurzer Zeit wieder von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Durch die Kälte hatte der Schnee beste Pulver-Konsistenz und so konnte man den Affen einfach in den Schnee stellen und nachher wieder abschütteln, ohne das etwas nass wurde. Sogar das Wasser in den Trinkflaschen und die Orangen im Rucksack froren während der Wanderung zu Eis. Wir machten uns auf in Richtung des Treffpunktes, an dem wir Lena und Martin treffen sollten. Auf dem Weg kamen wir erneut auf einen Weg mit unberührtem Schnee, der beim Durchwandern wie Puderzucker zu den Seiten zerstob.

Nach einigen Komplikationen beim Zusammentreffen – da der Treffpunkt nicht wie gedacht mit dem Auto erreichbar war – suchten wir gemeinsam einen Lagerplatz. Da wir im „Nationalpark Harz“ waren, mussten wir immer mit einem wütenden Förster rechnen, doch obwohl wir die Kohte, zumindest von den Wanderwegen recht gut einsehbar aufbauten, bekamen wir keinen Besuch. Auch an diesem Abend war das Feuermachen kein Spaß, doch schließlich brannte auch dieses Feuer, bedurfte aber ständiger Aufmerksamkeit (kurzes Brennholz, Brennholz drumherum legen, pusten). Obwohl wir schon um etwa 14.30 mit dem Aufbau bekommen hatten, waren wir erst um etwa 0.30 mit dem Essen fertig. Es gab Ragout und dazu Tee und Kakao. Ursprünglich hatten wir vorgehabt Richtung Brocken zu laufen, doch aus verschiedenen Gründen (Zeitknappheit, zu viel Schnee,…) beschlossen wir über Ilsenburg wieder nach Bad Harzburg zu laufen. In Ilsenburg kauften wir uns frische Brötchen, besetzten die öffentlichen Toiletten für einige Zeit und gingen für den letzten Tag einkaufen. Danach liefen wir aus Ilsenburg Richtung Eckertal, denn es wurde schon langsam wieder Zeit ein Plätzchen für den Abend zu finden. An diesem Abend machten wir uns die Mühe eine umgefallene, zersplitterte Buche zu zerlegen und anderes möglichst gutes Brennholz zu finden und schafften es so, ein Feuer zu machen, das uns dicht an die Kohtenbahnen rücken ließ.

Am Morgen drang eine durchdringendes „Hallo, haaaaaaaaaaallooooooooooo“ an unsere Ohren. Als ich es nicht mehr schaffte, es in meinen Traum einzubinden, musste ich erkennen, dass es der langersehnte Förster war. Nachdem er keinen Eingang finden konnte, gab er uns eine Stunde Zeit um „zu verschwinden“, sonst wollte er die Polizei rufen. So beeilten wir uns etwas mit Aufstehen und Zusammenpacken und schafften es in gut eineinhalb Stunden. Wir setzten die Wanderung Richtung Eckertal fort und machten eine Mittagspause auf Ponchos, Decken und Isomatten direkt auf dem Schnee und in der Sonne, was wirklich gemütlich war, bis nach etwa fünf Minuten ein starker, kalter Wind aufkam. Erst beim Wandern wurden unsere Hände und Füße langsam wieder mit Leben erfüllt. Einen Lagerplatz für diese Nacht fanden wir in der Nähe von Bad Harzburg in einem „Landschaftsschutzgebiet“, was eine Stufe unter dem „Nationalpark“ liegt und wir hofften, dass die Stimmung eines eventuell aufkreuzenden Försters damit korrelierte.

Mit viel Birkenrinde bekamen wir zwar recht schnell ein Feuer zu Stande, doch auch dieses war „high maintenance“ (aufwendig in der Unterhaltung), denn wir mussten ständig Holz spalten, um etwa 1 cm dickes Brennholz zu haben, damit wir keine Rauchvergiftung bekamen. Mit viel Tee, Kakao, heißer Milch mit Honig, Süßigkeiten und Singen ließen wir den letzten Abend ausklingen.

Am Morgen mussten wir noch den Schneematsch von Bad Harzburg durchqueren – es war inzwischen deutlich wärmer geworden – und obwohl die Temperatur wohl immer noch knapp unter 0°C lag, kam es uns geradezu warm vor.

Als Dorius im Bahnhofskiosk Geld für die Fahrtenabrechnung wechselte, fragte eine Kundin: „Brennt hier was!“ – das zeigt recht gut, wie durchgeräuchert wir waren.

Von Nico mussten wir uns im ersten Zug wieder verabschieden, der Rest fuhr bis nach Göttingen. Auf dem Bahnhof machten wir noch einen kleinen Abschlusskreis.

 

Moritz W.

 

 

Wichtige Erkenntnisse (vor allem für eine Winterfahrt):

- rechtzeitig mit dem Aufbau beginnen

- wenn man Feuer machen will, Kohtenplatz von Schnee befreien

- keine Kleinigkeiten (z.B. Häringsbeutel) in den Schnee legen

- ruhig einige Mühe ins Feuerholzsuchen stecken (ein gutes Feuer ist bei Kälte besonders wichtig), kurzes Brennholz (keine überstehenden, rauchenden Enden)

- zwei Töpfe sehr sinnvoll (für viel warmes Wasser für Getränke und zum Abwaschen)

- Vollmilchpulver (im indischen Laden kaufen)

- gute Schlafunterlage

- Zitrusfrüchte und Studentenfutter für Frühstück und Zwischenmahlzeit

- Handschuhe, die nicht sofort durchweichen