Sommerfahrt der Gruppe Sekani in die Hardanger Vidda 1997

Mückenspirale...
Der erste Abend mit Kohte
Zwischen See und Schneefeld
Flussdurchquerung
Mittagspause im Regen
Die Schutzhütte ist erreicht
höchstgelegener Bhf Nordeuropas
Juli in Finse

Geschrieben am 9. November 2005

Stationen: Geilo - Haugastøl - Bergen - Finse - Haugastøl - Oslo

Mit dabei waren: Lamin, Juli, Roman, Rode (Christoph) und Moritz W.

 

In Geilo in der Hardager Vidda stiegen wir aus dem Zug: Es regnete und unser Essenspaket, das wir für unsere zweite Wanderetappe aus Deutschland mitgebracht hatten (Norwegen ist teuer!), wurde zusehends durchnässt. Wir konnten es schließlich in einer Art Postlager im Bahnhof für etwa eine Woche unterstellen. Wir kauften noch eine Wanderkarte und ein paar Häringe in einem Tourist-Office, klauten noch etwas Wasser aus einem Außenwasserhahn eines Hotels und begannen dann den steilen Aufstieg über eine Skipiste auf das Hochplateau. Das Wetter war die nächsten Tage nicht sehr stabil. An einem Tag mit sehr viel Regen einschließlich Wandern mit Poncho, wobei man durch Kondensation und Schwitzen bekanntermaßen genauso naß wird wie ohne Poncho, konnten wir Rode trotz anfänglich starker Ablehnung davon überzeugen, die verlängerte Mittagspause nicht zu beenden, sondern den Rest des Tages dort zu verbringen. Die Sonne kam schließlich doch noch heraus und so wurden unseren Sachen wieder recht trocken. Einige von uns stiegen noch auf einen kleineren Berg, der sich neben unserem Lagerplatz erhob. Von hier aus konnte man sehen, wie die Sonne die Landschaft in ein goldenes Licht tauchte.

Einen anderen Abend verbrachten wir ebenfalls in einer wunderschönen Umgebung im Sonnenuntergang: An einem Platz, der sich am Fuße eines grünen Hügels befand und von einigen Birken bestanden war. Hier machten wir ein Feuer und eine kleine Abendrunde mit viel Gesang und Tee. Leider gab es hier sehr viele Mücken...

Wenige Tage später erreichten wir eine unbewirtete, aus Steinen erbaute Schutzhüte, die Lordehütta. Zuvor mussten wir allerdings auf einem schmalen Felsstreifen zwischen einem etwa vier Meter hohen Schneefeld und einem Gebirgssee entlangklettern, einen eisigen Gebirgsbach durchwaten und einen sehr steilen Geröllaufstieg bewältigen. In dieser Gegend blitzten an vielen Berghängen strahlend weiße Schneefelder auf.

In der Hütte angekommen, packten wir sogleich unsere zwei Trangia-Kocher aus um die Bude ein bisschen aufzuwärmen. Schließlich verwendeten wir die Kocher noch für ihren tatsächlichen Einsatzzweck und zauberten uns ein leckeres Abendessen. Das Sitzen am Tisch war eine wilkommene Abwechslung vom Sitzen im Schneidersitz (im Mückenschwarm)

Am nächsten Tag erreichen wir Haugastøl; einen recht trostlosen Ort mit ein paar Hotels, Touristen-Souvenirschops und einem Bahnhof. Wir bauten die Kohte etwas abseits der Straße am Rande eines Ferienhaus-Gebietes auf. Am nächsten Tag fuhren Rode, Juli und Roman nach Geilo um das Essenspaket abzuholen. Lamin hatte leider sein Skanrail-Ticket verloren, so dass die drei in Geilo ein neues besorgen mussten. Als sie zurückkamen und wir das Essenspaket öffneten, trauten wir unseren Augen nicht: Das ganze Brot und noch ein paar andere Sachen waren total verschimmelt! Rode hatte normales Brot besorgt und das war zusätzlich noch durch den Regen gleich zu Beginn der Fahrt nass geworden - tötliche Mischung! Wir mussten also vieles wegschmeißen und für die zweite Etappe neu einkaufen.

Mit dem Zug setzten wir unsere Reise Richtung "Bergen" fort: Es ging durch spektakuläre Fjordlandschaften, was ein wirklicher Augenschmaus war. In Bergen gingen wir auf einen Campingplatz, der zu einem Eishockeystadion gehörte, so dass wir in den Duschen des Stadions duschen konnten. Am nächsten Tag besichtigten wir die wunderschöne Stadt, in der es viele Trolle gab und nahmen dann tagsdarauf den Zug nach Finse (1222 m ü.NN), welches an dem Gletscher Hardangerjøkulen liegt. Wir kamen dort am Abend an und man merkte, wie ein eisiger Wind vom Gletscher her herüber wehte. Wir wärmten uns kurz in einer recht komfortablen bewirtschafteten Hütte, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs auf und hätten nichts dagegen gehabt den Abend und die Nacht dort zu verbringen; schließlich gingen wir aber doch noch ein bisschen weiter und bauten unsere Kohte auf (Pfadfinder haben ein schmales Budget und sind wetterfest). Am nächsten Tag begannen wir unsere Wanderung, wieder Richtung Haugastøl, diesmal aber von der anderen Seite her kommend. Wir liefen auf den sogenannten Rallarvegen, Wegen, die im Zuge des Bahnstreckenbaus (Oslo-Bergen) angelegt wurden und für den Transport von Baustoffen etc. dienten.

Nach zwei Wandertagen erreichten wir Haugastøl und bauten die Kohten an derselben Stelle, wie beim ersten Mal auf.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Oslo. Unsere Kohte stellten wir auf dem Campingplatz auf und machten uns nach dem Abendessen auf zum Holmenkollen, der Skisprunganlage oberhalb von Oslo. Über endlose Serpentinen durch ein sehr gutes Wohnviertel der Stadt ging es bergauf. Es war bereits dunkel, als wir die Anlage erreichten und die eigentliche Absprunganlage war schon geschlossen; alles war menschenleer. Durch die Einsamkeit auf der riesigen Anlage in Verbindung mit dem Mondschein herrschte eine bizarre Stimmung. Wir erkundeten die Zuschauerränge und den Landehügel (wirklich steil!) und machten uns dann auf den Rückweg.

Am nächsten Tag besichtigten wir dann die Stadt. Im Oslo-Fjord fand gerade ein High-Speed-Boot-Rennen statt, das wir uns auch nicht entgehen ließen.

Anschließend besichtigten wir das Fram-Museum (Fridtjof Nansen, Roald Amundsen) und das Ra-/Kon-Tiki-Museum (Thor Heyerdahl).

Gegen Abend kauften wir für unser Abschlussessen ein. Es gab ein aufwendiges Essen mit gebratenen Bananen und Karamel zum Nachtisch. Am Morgen fuhren wir zum Bahnhof und stellten (verstecken zu sagen wäre übertrieben) unsere Rucksäcke hinter eine Sitzbank in der Osloer- Bahnhofshalle. Während Rode die National-Gallerie besichtigte, machten wir lieber die Stadt unsicher.

Im Zug Richtung Süden trafen wir dann wie geplant die Miwoks, die die Heimreise von Stockholm aus angetreten hatten. Auch sie hatten viel erlebt und zu erzählen...

 

Moritz W.