Sommerfahrt nach Polen

Die Gruppe Cherokee im Biebrza Nationalpark: 14. bis 28. Juli 2005

14. Juli - Donnerstag

Unsere Fahrt begann, wie alle anderen auch, am Göttinger Bahnhof. Leider traten nur drei Sipplinge mit Tracht und Rucksack an, da David eine Woche vorher wegen seiner Diabetis absagen musste und Tim an einer hochansteckenden tödlichen Virusinfektion erkrankt war.

Letztenendes blieben dann noch Lennart, Mitja, David, Vincent und ich, Moritz.

Schnell hatten wir auch das Essen verstaut, sodass wir ohne Probleme am Mittag Richtung Hannover davonfuhren. Wir hatten zwar Reservierungen, aber die waren EIGENTLICH nicht nötig. Von Hannover ging es dann weiter nach Stettin, wo wir dann am späten Abend in den Nachtzug nach Bialystok fuhren.

Als wie (na ja, wir/3) mit den Rucksäcken in unserem Abteil standen bekamen wir schon Bedenken des Platzes wegen. Dank logistisch guter Einfälle konnten wir das Problem jedoch lösen, sodass man doch noch erstaunlich viel Platz hatte. Nach einigen Stunden Halb- Dämmer- und Tiefschlaf wachte ich auf und dachte daran unsere Ereignisse zu notieren.

15. Juli - Freitag

Gegen 9:50 kamen wir dann endlich in dem schmucken Städtchen Bialystok an und unser erstes Problem galt dem Geld, denn wir rasteten genau vor einem Lebensmittelladen, konnten jedoch unser Konsumbedürfnis nicht befriedigen, da wir das Geld noch nicht gewechselt hatten. Nach einiger Zeit und einigen Verständigungsschwierigkeiten fanden wir dann jedoch eine Wechselstube und hielten kurz darauf 1209 Slotty und 50 Groschny in der Hand.

Nach dem Konsumierungsprozess machten wir uns auf zum Busbahnhof, wo wir dann erst einmal den Bus nicht fanden. auch viele Passanten konnten uns nicht helfen, da in Polen überwiegend nicht - englisch gesprochen wird, bis wir endlich eine Frau mit ausreichend Englischkenntnissen trafen. Der Bus, welcher eine Stunde und zwanzig Minuten nach Wizna, unserem Startort, fuhr war anscheinend nicht fürs Schlafen gedacht, was ich aus eigener körperlicher Erfahrung erleben musste.

In Wizna, einem kleinen, ruhigen, heruntergekommenem Städtchen, wollten wir zunächst unsere Kontaktperson Zenec treffen.

Zunächst einmal machten wir aber Brotpause und machten den ersten Wasserschnorrversuch, welcher prompt mit einer gesalzenen Ladung Polnisch glückte.

Letztenendes steckten wir die Köpfe mit Zenec zusammen und berieten über unsere Wanderroute.

Liebenswürdigerweise fuhr er uns dann noch zu unserem Lagerplatz, welcher ca. 100 Meter entfernt vom Ufer des Biebrza-Flusses lag. Dort genehmigten wir und nach der Ankunft auch ein ausgiebiges Bad. Darauf entfachten wir bei unserem Lagerplatz ein Feuer, aßen etwas und legten uns kurz darauf schlafen.

16. Juli - Samstag

Nachdem wir uns mit Müsli gestärkt und mit einer Schokolade bei Zenec bedankt hatten, machten wir uns auf den Weg zu ersten Etappe. Wir gingen Richtung Osten durch das Dorf wo wir dann auf einem malerischen Weg folgten. Nachdem wir über die Narew (welcher in nördlicher Richtung eine Biege nach Rechts macht) gegangen sind, machten wir in Suli-Strumitowo Pause. Kurz darauf mussten wir vergeblich einem Mann helfen, dessen Wagen in dem sandig aufgeweichten Weg stecken geblieben ist. Unser weg führte uns am dem Dörfchen Góra Strekowa vorbei und trug uns entlang des Narew nach Strelowa Góra. Kurz bevor wir das Dorf erreichen konnten, braute sich ein Unwetter zusammen und es fing in Strömen an zu regnen. Den Regenschwall verbrachten wir geduldig wartend in einer Baustelle. Als nächstes überquerten wir dann im Dorf den Narew und gelangten nach 1-2 Kilometern zu unserem Zielort Laskowiec. Hier verbrachten wir die Nacht im Garten eines französisch sprechenden Polen.

17. Juli - Sonntag

Immer noch unter den Qualen gestriger Anstrengungen leidend machten wir uns auf den Weg des wahrscheinlich unromantischsten Strecke unserer Fahrt: Eine 15,6 Km lange endlosstraße, die von Mücken und Bremsen beherrscht wurde. Zwischendurch begann es ein paar Mal zu regnen, jedoch schafften wir es am Ende dieses mühseligen Tages weitgehend unbeschadet nach Gugny, einem kleinen Ferienort mitten in der Pampa

18. Juli - Montag

Eigentlich hatten wir an diesem Tag vorgehabt, zu Budy, dem „King of River Biebrza“, zu gehen, doch leider bemerkten wir, dass wir für den dort geplanten Lagertag nicht genug Essen hatten - so liefen wir in den nächst-größeren Ort Trzcianne um einzukaufen, und gleich danach wieder nach Gugny zurückzukehren. Leider haben wir uns bei dem Aufstehen ein bisschen viel Zeit gelassen, sodass wir erst um 21:00h wieder zurück waren. So verbrachten wir eine weitere Nacht - sogar mit Dusche - in Gugny.

19. Juli - Dienstag

Heute ließen wir uns erneut Zeit mit dem Aufstehen, jedoch ohne größere Konsequenzen. Gegen 14h machten wir uns auf den Weg: Ein Stück durch die Sumpflandschaft hindurch - ein verdammt geiles Stück!

Der Weg führte durch 2 Meter hohe Schilf &Dschungelähnlichen Baumlandschaften hindurch. Komplett geschafft siedelten wir uns dann auf dem Campingplatz an. Dort mussten wir erstmal unsere überschüssige Energie in einer Zapfenschlacht verbraten, was uns leider zum Verhängnis wurde, da wir auf einmal die Kothe im Regen aufbauen mussten. Leider fehlen mir die Erinnerungen an den Rest des Tages, also mach ich mit

20. Juli - Mittwoch (Lagertag)

weiter.

Endlich mal einen ganzen Tag Entspannung für die zerstochenen Muskeln, die Lennart und ich zum Wäschewaschen, Kasseführen, Tagebuch schreiben, Lesen und Essen verbrachten. Die Kleinen erkundeten in der Gegend einen alten Bunker.

Am Abend setzen wir uns dann zu drei polnischen Lehrern im Urlaub. Ein älteres Ehepaar und einen sehr merkwürdigen, hibbeligen, durchgedrehten Künstler. Insgesamt war es ein lustiger Abend, der aber ein wenig abrupt abgebrochen wurde. Daraufhin setzten wir uns noch mal ans Feuer und kochten uns einen Tee. Auf einmal stand jedoch David vor uns - der Eigentlich mit Mitja schlafen gehen wollte - und erzählte uns, dass jemand unsere Rucksäcke gerade durchwühlt hätte (Lennarts & Meiner lagen wegen einem akutem Ameisenproblem draußen). Kurz vorher hatten wir den Hibbellehrer noch an uns vorbeirauschen sehen… komische Leute… Nachdem wir dann unsere Sachen reingeräumt und die Kothe dicht gemacht hatten legten wir uns wachbereit schlafen (hoho).

21. Juli - Donnerstag

Eigentlich wollten wir wegen der gestrigen Aktion Heute - entgegen unserem Plan, noch ein Lagertag zu verbringen - aufbrechen. Jedoch fing es auf einmal an zu regnen und meine Motivation reichte nicht aus um Die Bande zum Aufbrechen zu überreden.

Im Laufe des Tages klärt sich das Wetter noch und wir entschieden uns eine mehr-oder-weniger kleine Nachtwanderung zu unternehmen. Nachdem wir gekocht und gut gegessen hatten, packten wir noch die restlichen Sachen zusammen und brachen gegen 19h nach Osowiec Twierdza auf. Der größte Teil des Weges führte uns auf Sand- und Waldwegen zu einer Straße - mal wieder eine schier endlose…

Auf dem Weg klappte David auf einmal nach Vorn und viel ohne seine Hände zum Abstützen zu benutzen frontal auf die Straße. Wie sich herausstellte waren von seinen beiden Vorderzähnen jeweils ein Stück abgebrochen, seine Knie und Ellebogen zum Glück jedoch nur mit einem kleinen blauen Flecken versehen. Nach einer Pause wo wir uns vom Schock und von den Schmerzen erholten ging es dann weiter - David jetzt ohne Gepäck. In Osowiec Twierdza angekommen suchten wir zunächst einen Schlafplatz hinter einer Hecke genau neben dem Bahnhof auf und Biwakten.

22. Juli - Freiddach

Gegen 5h wachte ich unter meiner Kothenplane auf und stellte fest, dass es nicht schlecht regnete. Da ich nicht weiter mit ansehen konnte wie Dave die Kothenplane nicht über seinen Kopf ziehen konnte (wieso auch immer?!) fand ich nach kurzer Suche einen offenen, nicht mehr benutzen aber angewärmten Warteraum im Haupthaus des Bahnhofes. Wir schleppten kurz unsere nassen Sachen dahin und schliefen noch ein paar Stunden. Als ich dann wieder aufwachte verspürte ich eine Leere im Magen und machte mich auf den Weg einen Bäcker aufzusuchen. In einem kleinen Lädchen fand ich dann die heiß ersehnten Brötchen, die ich zusammen mit ein paar Berlinern zurück zum Bahnhof trug. Ungestört verbrachten wir bis zum frühen Nachmittag noch unsere Zeit in dem kleinen Räumchen. Dann wollten wir noch einmal „kurz“ zum Laden und weiter zum Campingplatz. Leider war die Bank vor dem Laden zu bequem, sodass wir noch mehrere Regenpausen als Ausrede haben gelten lassen, nicht loszugehen. Am Platz angekommen zogen wir schnell die Kothe hoch, aßen Nudeln mit mexican Soße und fielen Hundemüde auf unsere Schlaflager.

23. Juli - Samstach

Hali Halo - das Sams ist da…

Unsere heutige Reiseroute stand eigentlich fest: Von Osowiec Twierdza nach Bialogrady, von wo aus wir Sonntag nach Przechody und daraufhin nach Ruda wollten. Von dort war vorgesehen mit dem Zug nach Danzig zu fahren.

Auf nicht einmal einem Viertel der Strecke merkten wir, dass es keinen Sinn mehr hatte die geplante Strecke zu laufen - (David lief…, schlich eher so langsam, dass wir uns Sorgen machten unser Ziel am heutigen Tag noch zu erreichen.

Also drehten wir um… - Essen -

Der Campingplatzbesitzer empfing uns mit offenen Armen. Während die Kleinen noch kurz in die Stadt gingen, um einzukaufen, bauten Lennart und ich zu zweit die wahrscheinlich beste Kothe auf der Fahrt auf. - Essen - Schlafen - Schluss aus!

24. Juli - Sonntag

Da wir ja nicht wandern konnten, besichtigten wir die umliegenden Bunkeranlagen. Am Abend gab es noch versalzene Nudeln und nun sitze ich schreibend und von Nervfaktoren umringt.

Am Abend setzte ich der Abenteuergruppe - bestehen aus Elrond, Peridon, Rahjavera und Andurak noch einen Kampf vor. Danach tranken wir noch gemütlich den restlichen Tee und legten uns daraufhin von Mücken geplagt hin.

25. Juli - Monday

Aufgestanden sind wir um ca. 11 h und vernichteten daraufhin beim Frühstück die letzten Essensvorräte. Bis halb zwei waren die Sachen dann auch gepackt. Wir liefen zum Bahnhof zurück, blieben allerdings abermals vor dem Lädchen hängen. Um halb vier ging unser Zug in Richtung Elk, wo wir eigentlich vorhatten, eine Nacht zu schlafen…aber dank unserer grandiosen Fähigkeit, geschaffene Pläne einzuhalten, fuhren wir um kurz nach sechs noch mit dem Zug nach Danzig los.

So, da sitze ich wieder, diesmal im Abteil und warte darauf, dass der Zug um 00:01 in GDANSK hält…mal schauen…wir haben vor eine Nacht im Park zu verbringen, Morgen dann zum Campingplatz zu laufen und letzten Endes die Stadt besichtigten. Ob das was wird..ohjeohje. (Punk = Schluss <lat.“aus“ o.“Ende“>)

26. Juli - Dünstag

Tatsache - wie erwartet klappt alles nicht so wie geplant:

In der nachtaktiven Großstadt Danzig angekommen, entschieden wir uns, den nächsten Bus Richtung Campingplatz zu nehmen, um doch noch einen sicheren Schlafplatz zu haben. Dank der genialen Haltestellenausschilderung verpassten wir jedoch unseren Halt und fanden uns auf einmal bei der Endstation wieder. Ein netter Pole half uns jedoch uns sagte dem Busfahrer, wo wir auf der Rückfahrt aussteigen mussten - Zum Glück war das Busfahren auch umsonst…

Bei der nun „richtigen“ Haltestelle ausgesetzt standen wir vor dem nächsten Problem: Wo ist der Campingplatz? Unsere ersten Aufsuchungsversuche schlugen leider komplett fehl, sodass Lennart und Ich die kleinen in einer Düne des Strandes drapierten und auf eigene Faust loszulegen. Ca. eine Stunde - (Und ein Bier später) - wurden wir dann auch endlich fündig, sodass wir die Gruppe früh morgens vor den Eingang des gschlossenen Platzes quälten. Irgendwann schlief ich noch eine Stunde und den Rest der Zeit bis zum Öffnen vertrieben wir uns mit Cappuccino und Vorlesen. Der Campingplatz war und blieb geschlossen; zum „Glück“ erzählte uns der neue Bewohner von dem neuen Ort des Platzes am anderen Ende der Stadt. Das hieß: Rein in die Straßenbahn und zwei Stationen zu früh wieder aussteigen. Da das polnische Nahverkehrssystem keine Lust dazu hatte, uns auch zu den letzten Stationen zu befördern, liefen wir die letzten 1,7 Km zu Fuß. Letzen Endes konnten wir uns um 9:30 in die Kothe pennen legen. Bis sechs Uhr ausgeruht standen wir auf und checkten die Pizza des Campingplatzes als Abendessen aus.

Moritz R.