Die Leiden des Chrico K.

Ein kühler Windhauch stößt ihn über die Grenze des Halbschlafs. Die Impulse seiner Sinne stoßen auf sein noch träges Bewußtsein, aber die Augen öffnet er noch nicht. Er brummt verärgert, da er in seinen Phantasien gestört wird und dreht sich auf die Seite. Schläfrig versucht er sich an Geträumtes zu erinnern, aber er friert und überhaupt ist es hier etwas schlafunfreundlich. Langsam murmelt er die Zauberformel: ,,Computer, 5° wärmer." Die gesprochenen Worte bewirken anscheinend keine positive Änderung, im Gegenteil, etwas neben ihm brummt ärgerlich. Chrico schlägt verwundert die Augen auf. Es ist dunkel, doch irgendwer neben ihm atmet schwer und langsam. ,,Computer: Licht!", kommen hektisch und unsicher die Worte aus seinem Mund. Ein Schauer überkommt ihn und seine Hormone versetzten seine Muskeln in Alarmbereitschaft. Die erwartete Reaktion bleibt aus. Das Geräusch des Windes, der am Poncho zerrt, klingt zunehmend bedrohlich. Chrico überkommt ein Gefühl der beklemmenden Orientierungslosigkeit. Mit einem Ruck setzt er sich auf, sein Puls hämmert in den geschwollenen Schläfen. Seine Stimme überschlägt sich bei den Worten:

,,Computer: Ausgang!!". ,,Ruhe dahinten", dringt es aggressiv durch das Dunkel. Mit zitternden Fingern und Feuer in den Augen gelingt es ihm, ein Streichholz zu entzünden, von denen er immer einige in seiner Hemdtasche weiß. Im schwachen Schein des Lichtes erblickt er elf weitere gefüllte Schlafsäcke, die sich eng beieinander in eine Kothe quetschen. Hektisch und unkoordiniert befreit Chrico sich aus der Enge seines Schlafsacks, reißt den Kotheneingang auf und sein Blick verliert sich in den Weiten der lappländischen Flora. ,,Computer, alterieren!!!" Die Ruhe der Natur bemächtigt sich seiner. Er holt nochmal tief Luft, und im stummen Tal verschallt der hilflose Schrei einer verzweifelten Seele.

 

Martin