12x Nudistensuite, bitte!

Irgendwie scheinen wir Pfadfinder auf Fahrt immer einen Glücksengel dabei zu haben oder wir haben einfach überdurchschnittlich viel Glück. Es mag auch sein, daß wir auf viele Menschen einen positiven Eindruck machen und deshalb oft offenherzige Gemüter treffen. In Fauske ist uns jedenfalls etwas tolles passiert.

 

Mit dem Bus sind wir von Sulitjelma ins verregnete Fauske gefahren. Dort standen wir etwas verloren an der überdachten Busstation. So recht verspürte keiner Lust bei dem Wetter in der Kohte zu schlafen. Außerdem wollten wir auch nicht auf den Campingplatz, der noch ein gutes Stück weit weg war. Nach langem Genörgel machten sich dann vier von uns auf um in der Gegend herum zu fragen, ob man nicht in einer Garage oder etwas ähnlichem selbstverständlich nur für „eine Nacht“ bleiben könne. Wir klapperten einige uns sympathisch aussehenden Häuser ab. Doch außer einem alten norwegischem Ex-pfadfinder, der wie ein Haudegen der norwegischen Armee aussah (wer weiß es schon genau? ), trafen wir kaum gesprächswillige Leute. Etwas frustriert und sauer auf die anderen, die eben nicht mit auf die Suche nach einer Bleibe gegangen sind und am überdachten Busstieg warteten, steuerten wir eine weiße Villa an, die edel aus weiß lackiertem Holz gebaut war.

Da wir dann auch keine Lust mehr hatten uns mit unserer recht eigenwilligen Auslage der englischen Sprache zu blamieren, sollte diese Villa der letzte Versuch sein.

Klingeling, eine Dame öffnet und wir erläutern ihr unser Anliegen. Mit einem freundlichen Gesichtsausdruck hört sie sich unser Englisch gelassen an. Darauf ging sie telefonieren. Na also vielleicht ergibt sich ja doch noch was. Als sie zurück kam erklärte sie uns, daß wir im „Managerroom“ eines Hotels an der Hauptstraße schlafen könnten.

Ja sau cool !

Wir holten die anderen und machten uns auf den Weg zum Schlafplatz. Dort angekommen ging ich erst mal lieber alleine rein, um die Lage zu checken (wir wußten nämlich nicht ganz sicher ob das das richtige Hotel war). Die Rezeptionsangestellte hätte sich angesichts meiner genialen Sprache vermutlich am liebsten unter den Tresen gelegt. Auf jeden Fall war mir das ziemlich peinlich. Ich mußte ein Formular ausfüllen und bekam drei Haustürschlüssel in die Hand gedrückt mit den Worten „You got the Nudistensweet (suite!). Take the elevator. By the way at night their is a disco downstairs, ok?“ „Oh yes I understand“ Tatsächlich habe ich recht wenig kapiert. Nudistensweet (-suite), hat das nicht irgend etwas mit nackt sein zu tun? Ist das hier die Art, wie Manager eine Sitzung abhalten? Naja, Wumpe, die hat sich am Ende nur geirrt. Faul und kniegeschädigt fuhren wir mit dem Fahrstuhl in den Dritten Stock und standen tatsächlich vor einer Tür mit der Aufschrift „Nudisten“.

Der Schlüssel paßte, das Tor zur Glückseligkeit öffnete sich.

Andächtig sahen wir uns unseren Schauplatz an, den uns die Villadame ermöglicht hat und für den wir nichts bezahlen mußten. Da waren eine Sitzgruppe, Doppelbett, Balkon, Tisch mit 8 Stühlen, aus dem Nebenraum rief jemand, daß dort 2 Duschen, ein kaputtes Solarium und eine Sauna seien. Die war sogar schon wegen uns angestellt worden! Ab da war natürlich ausgiebig duschen und saunen angesagt. So viel Glück auf einmal und das sogar an Tobis Geburtstag. An dem Tag ist ganz schön viel passiert. Nachdem wir sogar eine zweite Nacht dort verbringen durften, verabschiedeten wir uns mit einem Lied von den Hotelangestellten, die uns zu dem Zweck auf eine Art Bühne im Eßraum stellen, wo zum Glück nur ein paar Gäste frühstückten. Anschließend schauten wir noch bei der Villadame vorbei, um ums für alles zu bedanken und nochmals ein Lied vorzusingen. Dann stiegen wir in den Zug nach Lönstal, um dort die zweite Wanderetappe anzutreten.

 

Martin