Drei Tage in Lappland

Wir übernachteten an einem großen See, der etwas unterhalb des Wanderweges lag. Am anderen Morgen wollten wir nicht extra wieder hoch zum Weg laufen und gingen statt dessen zum See hinunter. Der Weg ging ein Stück am „Strand“ entlang, doch dann bestand das Ufer nur noch aus rutschigen Felsen. Wir kletterten ein Stück an den Felsen entlang und einige gingen dann doch durch das Gebüsch nach oben zum Weg. Plötzlich rutschte Jochen ab und schlidderte mit seinem Rucksack ins Wasser. Zum Glück hatten wir eine Kohtenstange, mit der Chrico ihn aus dem Wasser zog.

Der Weg ging weiter an dem See entlang bis nach Staluokta. Hier kauften wir Fisch und entdeckten an einer Hütte eine Gepäckwaage, wo sich so manche „Ich-glaub’- mein-Rucksack-ist-der-schwerste - Illusion“ in Luft auflöste.

Es hatte zu regnen begonnen und es war an der Zeit eine Ponchoanziehpause einzuschieben. Wir liefen bis zu einer Hüttensiedlung, wo wir Mittagspause machten und fragten ob wir hier die Kohte aufbauen könnten. Doch wir bekamen eine klare Ablehnung. Also gingen wir ein paar hundert Meter weiter bis zu einem Fluss und übernachteten dort.

Am nächsten Morgen regnete es wieder und wollte auch nicht wirklich aufhören. So liefen wir erst gegen 13.30 Uhr los. Wir kamen nach ungefähr eineinhalb Stunden an einen See, an dem wir nun zehn Kilometer entlang laufen mussten. Der Weg war sehr sumpfig und nicht, wie an solchen Stellen üblich, mit Holzflanken bedeckt. An der schwedisch - norwegischen Grenze machten wir Mittagspause.

Der Weg ging weiter bis zu einem Fluss, den wir überqueren mussten. Es dauerte eine Weile bis jeder seinen „optimalen“ Weg durch das Wasser gefunden hatte. Mit Füßen, die bei einigen nicht mehr ganz so trocken waren, ging es weiter.

Schließlich kamen wir an einer Hüttensiedlung an, die nicht, wie in Schweden, beaufsichtigt war. Sehr schnell hatten acht Leute die acht Betten in der offenen Hütte belegt. Juli, Roman, Lampe und ich hatten keins mehr abgekriegt, aber es gab noch eine Nobelhütte, die aber mit einem Vorhängeschloss verschlossen war. Juli stocherte ein bisschen mit einer Gabel in dem Schloss herum und plötzlich war das Schloss offen. Wir vier wollten erst mal unseren Triumph genießen und spielten Karten. Tobi konnte sich nicht vorstellen, dass wir so lange bei der Kälte draußen herumhingen und entdeckte uns, als Roman grinsend aus der Hütte kam. Wir fingen an zu kochen und aßen dann zusammen in unserer Residenz. Da sahen wir drei Wanderer den Berg hinaufkommen. Es waren die drei Berliner, die wir vor drei Tagen getroffen hatten.

Um 24.00 Uhr bekam Tobi sein Geburtstagsgeschenk. Wir feierten noch ein bisschen und gingen dann ins Bett.

Am nächsten Tag ging der Weg über mehrere Schneefelder: Juli probierte mit Rucksack über eine Schneespalte, die mehrere Meter tief unter das Eis führte, zu springen und wäre fast hineingefallen. Martin versuchte dasselbe, doch er fiel hinein. Tobi konnte gerade noch seine Hand erreichen und zog ihn heraus. Wir mussten eine Adrenalinspiegelsenkpause einlegen; außerdem hat Martin seitdem eine Schneespaltenphobie.

Die „Zivilisation“ rückte näher und einige konnten schon seit Tagen den Duft von Döner, Royal mit extra Käse und Doppelwopper riechen. Der Weg nach Suletjelma war nicht mehr sehr weit, doch es galt noch einen fünf Kilometer langen Schotterweg hinunterzukommen. Nach diesem Weg waren die Knie einiger fast völlig funktionsuntüchtig. In Suletjelma konnten wir endlich wieder einkaufen. Fast alle teilten sich zu zweit eine Zweiliterpackung Eis, nach der vielen ziemlich schlecht war. Noch am gleichen Abend fuhren wir mit dem Bus nach Fauske, wo wir uns nicht ganz unfreiwillig in eine Suite einquartieren ließen.

 

Moritz W.