Tagebuch vom 15.07 bis 27.07.99

Ich schreibe hier auf einer Hügelkette ganz im Norden von Schweden, in Lappland. Eigentlich schreibe ich sonst kein Tagebuch, aber da ich hier so viel Neues erlebe, möchte ich gern in ein paar Jahren etwas haben, was mich daran erinnert, wie schön es war.

 

Also Heute ist der 15.8.99 es ist bereits Abend geworden. Wir sind heute nicht so viel gewandert und haben unser Lager hier auf einem Hügel, oberhalb eines Sees aufgebaut. Auf dem See konnte man eben eine Wildgansfamilie beobachten. Vorhin sah es eine zeitlang so aus, als würde es jeden Moment anfangen zu regnen. Also haben wir versucht unsere Sachen wasserdicht zu verpacken, (Poncho aufs Dach) was sich als äußerst schwierig erwiesen hat.

Es war sehr windig, so daß die Kothe erstmals zusammen gekracht ist. Wir haben es dann aber doch noch geschafft. Dafür wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt, der den gesamten Himmel in wunderschönen Farben erstrahlen ließ. Es war ein Bild für die Götter. Die Anderen sitzen noch in der Kothe und kochen gerade Milchreis, und ich habe guten Hunger, da die letzten Mahlzeiten doch etwas knapp ausgefallen sind. Martin spielt „Smoke on the water“ und ich gehe jetzt in die Kothe, denn hier ist es sehr kalt.

 

Heute ist der 19.8.99, wie man sieht habe ich die letzten Tage wohl doch nicht so richtig regelmäßig geschrieben, wie ich es mir vorgenommen hatte. Was wohl vor allem daran liegt, daß ich abends wenig gegessen habe und als ich im Schlafsack lag zu faul war zu schreiben. Außerdem strengt mich das Wandern hier ganz schön an. Heute Abend geht es mir aber etwas besser und so sitze ich hier an einem verhältnismäßig kleinen Bergsee. Der ca. 10 km hinter der norwegischen Grenze liegt und ich versuche etwas zu angeln. Aber es ist so kalt (6°C), daß noch nicht mal die Fische anbeißen. Wir haben hier in zwei voll ausgerüsteten Nothütten unser Lager aufgeschlagen. Tobi hat Morgen Geburtstag und so können wir wenigstens anständig hineinfeiern. Wir werden ihm eine Solardusche und einen tollen Flachmann mit einer Füllung Jägermeister, von der wir hoffentlich auch etwas abbekommen (Säufer!), schenken.

Also die doofen Fische wollten nicht anbeißen, tja wer nicht will der hat schon.

 

Heute ist der 20.8.99 wir sind Heute in das wunder, wunderschöne Kaff Sulitjelma gekommen, nachdem wir stundenlang aus dem Gebirge abgestiegen sind. Aus diesem Grund schmerzen meine Knie, so daß ich kaum noch gerade aus laufen kann. Hier sind wir erstmal in den nächsten Supermarkt gelaufen und haben uns zu zweit oder zu dritt eine Riesenpackung Eis gekauft, um unseren Zuckerhaushalt zu normalisieren. Dazu sollte man sagen, dass wir hier so ca. 4 °C haben. Es ist uns zu kalt und zu langweilig, und so haben wir beschlossen in einer Stunde mit dem Bus nach Fauske zu fahren. Dort kamen wir um 20 Uhr an und es regnete wie aus Eimern. So sind einige von uns los, fragen ob wir irgendwo in einer Garage oder in einem Garten schlafen können. Und ob man’s glaubt oder nicht jetzt sitzen wir hier in einem Hotel im 5. Stock, in einer Nudisten-Suite, mit Dusch, Sauna und Solarium (alles was ein Nudist halt so braucht) und das alles kostenlos. Da soll einer sagen, „die Norweger sind nicht freundlich“. Ach ja, wir haben auch einen großen Balkon mit Blick auf einen Fjord und über die Stadt. Ich gehe jetzt saunieren und im Luxus schwelgen, gute Nacht.

 

Heute ist der 21.8.99 und wir sind noch immer im schönen Hotel in Fauske. Ich habe Heute, wie die meisten Anderen meine Sachen gewaschen und ein Paar Karten geschickt. Außerdem haben wir heute eingekauft (diesmal genug), da wir Morgen 2 Stationen weiter fahren wollen um unsere 2. Etappe zu starten. So ist es zumindest geplant, aber Juli liegt mit Fieber im Bett und wir müssen erstmal abwarten, wie es ihm Morgen geht. Schlafen konnte ich hier sehr gut und ich glaube, es ist die erste Nacht, die ich seit langem mal wieder richtig durchgeschlafen habe.

 

 

Mo i Rana , der 24 8.99.

Ich liege hier in meinem Schlafsack im Warteraum des Bahnhofs. Wir mußten unsere 2. Etappe leider nach 2 Tagen wieder abbrechen, da es Juli immer noch nicht besser ging. Er hatte Fieber und hustete stark. Wir warten jetzt auf unseren Anschlußzug nach Göteborg und fahren 2 Tage früher als geplant nach Göttingen zurück. Ich glaube ich werde dieses Land ganz schön vermissen. Schon jetzt zieht es mich wieder in das stille Gebirge, wo es keine Autos und Städte gibt, sondern nur schroffe Felsen, blaue Seen und den kalten Nordwind. Dort oben war alles viel einfacher als in der Stadt: Du stehst morgens auf, ißt etwas, wanderst, gehst abends schlafen und genießt einfach die wunderschöne Natur. Wie unbedeutend wirken doch die Probleme und Sorgen der Zivilisation.

 

Es ist der 25.8.99 Wir sind um 8.45 Uhr in Trondheim angekommen. Ich habe im letzten Zug wunderbar geschlafen. Aber ich war auch sehr müde. Gleich fahren wir weiter nach Oslo, wo wir dann Mittag essen und unsere Rückfahrt klarmachen wollen. Von dort aus werden wir dann hoffentlich nach Göteborg kommen. Es ist nun 22.30 Uhr wir sind so eben in Göteborg angekommen und kochen gerade Reis mit Tomatensoße in der Bahnhofshalle. Hier wollen wir eigentlich schlafen, doch der Bahnhof wird um 0.30 Uhr abgeschlossen und so müßen wir dann wohl woanders schlafen, Schade! Habe noch keine Ahnung wo. Morgen suchen wir uns dann einen Campingplatz und sehen uns die Stadt an.

 

Göteborg, der 26.8.99

So wir durften zum Glück doch auf dem Bahnhof schlafen, aber nur bis 4.30 Uhr. Jetzt ist es 5 Uhr, wir checken gerade unsere Rückfahrtickets auf das wir nichts vergessen haben. Um einen Campingplatz zu finden müssen wir erst mal zu einer Touristeninfo, die macht aber erst um 9.30 Uhr auf und so müssen wir bis dann die Zeit totschlagen.

So da bin ich wieder sind jetzt auf dem Campingplatz in Göteborg. Ist sehr angenehm hier, gibt Duschen, Küche und was man sonst noch so braucht. Wir haben uns schon ein bißchen die Stadt angeschaut und haben eben ein leckeres Abendessen gekocht; Nudeln in Thunfischsoße, das Rezept stammt aus dem Komolzen. Die folgende Nacht müßen wir wieder am Bahnhof verbringen, da lohn es sich nicht noch eine Nacht für den Campingplatz zu bezahlen.

 

Kopenhagen, den 28.8.99

So, Gestern haben wir uns einige Museen und Sehenswürdigkeiten von Göteborg angesehen und unser letztes Geld verpraßt. Dann haben wir noch 2 Stunden am Bahnhof geschlafen und sind heute völlig übermüdet aufgebrochen. Jetzt ist es 11.15 Uhr und wir haben gerade gefrühstückt. Von hier fahren wir gleich weiter nach Hamburg und sind dann heute Abend in Göttingen. Ich habe mir eben einen Focus gekauft, damit ich etwas Lektüre für die Fahrt habe. Ich freue mich auf zu Hause, aber ich würde auch gerne noch ein bißchen bleiben. Spätestens in 2-3 Jahren fahre ich mit meiner Sippe hierhin zurück.

 

Chrico