Die Sommerfahrt der Gruppe Merowinger in die Pyrenäen

Es war Mittwoch. Der letzte Schultag war vorbei und wir trafen uns alle am Bahnhof. Alle? Sowie im letzten Jahr waren Moritz, Felix, Lennart, Paul, Lyonel, Gökhan und Matzu mit von der Partie. Mal abgesehen von ein paar Startschwierigkeiten fanden wir uns pünktlich zur Abfahrt des Busses in Hannover ein. Die Stimmung war gut. Nach einer langen, aber netten, Busfahrt mit Kaffee und mehreren Filmen erreichten wir Toulouse, wo wir in einen Zug nach Lourdes umstiegen. Glücklicherweise erhielten wir sogar Anschluss an den Bus, der uns dann zu unserem Startort, Argeles-Gazost, brachte.

Dort verliefen wir uns erstmals ehe wir durch Gökhans Französischkenntnisse den Ausgang des Dorfes fanden, wo wir dann an einem Fluß unser Lager aufbauten, naja die Schlafsäcke ausrollten.

Nach dieser Nacht und einem kleinen Frühstück ging es dann los. Und, wie sollte es anders sein - bergauf. Die Route verlief auf einem Fahrradweg, der das Ende einer Tour de France Etappe ist. Zur Mittagszeit erreichten wir ein kleines Dorf, in dem unsere Spezialisten unbedingt einen Fernseher suchen mussten, da das Viertel- Finale der WM stattfand. Deshalb luden wir uns bei einer Familie ein und beschlagnahmten deren Wohnzimmer.

Danach durften wir weiter gehen. Statt auf dem asphaltierten Weg zu bleiben, nahmen wir die Abkürzung durch die Pampa in angriff. Das war dann doch sehr anstrengend und so machten wir viele Pausen, in denen wir Hackisackten.

Am späten Nachmittag erreichten wir wieder zurück auf die Fahrradpiste und fanden eine kleine Klippe, auf der wir die Kothe aufbauten. Gegen sieben Uhr abends zog Nebel auf und die Sichtweite reduzierte sich enorm. Zur Stärkung gab es dann auch was zu essen.

Am nächsten Tag ging es weiter. Schnell wurde es heiß und wir schmilzten in der Sonne. Selbst die Schaffe suchten jedes bißchen Schatten. Schließlich, nach 1600 Höhenmetern erreichten wir den Hautacam, wo wir uns in einer Bar eine Erfrischung gönnten.

Nachdem alle wieder einigermaßen gestärkt waren, wanderten wir nun auf Wanderwegen weiter durch die Berge. Das Tagesziel war ein See, der allerdings in einem Tal lag. Da wir den Weg nicht fanden, wagten wir den direkten Abstieg. Wir wollten die Rucksäcke nach und nach herrunterreichen. Moritz Rucksack zog dabei allerdings den kürzeren und viel bis unten ins Tal. Nach zwei Stunden hatten wir auch dieses Hinderniss überwunden und bauten am See zwischen lauter Kühen die Kothe auf. Am nächsten Tag ergaben sich die ersten Probleme. Paul ging es schlecht. So entschlossen wir uns erst am Nachmittag weiter zu wandern und uns vorerst mit einer Wasserschlacht zu begnügen.

Tatsächlich konnten wir nach dem Mittagessen weiter wandern und wir kletterten aus dem Tal herraus, was viel Kraft kostete. Wir liefen entlang eines Flusses und kamen ganz gut vorran. Am späten Nachmittag zog wieder Nebel auf und machte das Weitergehen unmöglich. Die Wege waren unwegsam und des öfteren ging es neben uns 50 Meter senkrecht nach unten. Das veranlasste uns einen Platz für die Nacht zu finden. Natürlich wollten wir einen Platz am Fluß. Bei der Überquerung allerdings fiel die Wanderkarte ins Wasser. Das war aber noch das kleinste Übel. Wir beschlossen erst mal eine Nacht zu schlafen und am nächsten Tag zu entscheiden.

Doch es wurde nicht besser. An diesem Tag kam die Sonne nicht zum vorschein. Durch den Nebel betrug die Sichtweite gerade mal 5-10m. Weiterwandern war also nicht möglich. Außer Paul ging es jetzt auch noch Moritz schlecht. So mussten wir einen Lagertag machen. Langsam wurde es knapp den nächsten Ort zu erreichen, da das Essen auch die Beine einzog. Als sich die lage am nächsten Tag immer noch nicht entschärft hatte, beschlossen wir umzukehren. Den Rückweg sollten wir auch ohne Karte finden. Innerhalb eines Tages wanderten wir bis zu dem Dorf, in dem wir auf dem Hinweg das Fußballspiel gesehen hatten, zurück. Es war ein gutes Stück Weg gewesen, was wir auf dem Hinweg geschafft hatten.

Am darauf folgenden Tag erreichten wir wieder Argeles, wo wir wieder am Fluß unser Lager aufschlugen und uns wuschen. Danach war Krisensitzung angesagt. Wie sollte es weitergehen?

Die nächsten Tage blieben wir dort und Matzu musste nach einer Alternative suchen. Mittlerweile hatten mehrere Probleme mit der Verdauung und wir besuchten einen Arzt, der leider auch nicht viel helfen konnte. Aber das Tat auch unserer Laune keinen Abriss und wir badeten im Fluß.

Moritz, Felix, Lennart und Matzu gingen in den Tagen zum Reisebüro und buchten Zugfahrkarten von Lourdes nach Barcelona. Wir hatten uns gemeinsam auf die schmalspur Etappe geeinigt. Den Weg nach Lourdes wollten wir zu Fuß gehen.

So verbrachten wir die nächsten Tage mit dem Wandern nach Lourdes. Die Bauern der Region machten es uns nicht gerade leicht und drohten uns das eine oder andere mal die Polizei zu rufen, nur weil wir auf einer ihrer Wiesen kampiert hatten. Aber die Fahrt ging weiter. Die Ankunft in Lourdes wurde mit dem Fußball-WM Finale belohnt, was sich keiner entgehen ließ. Weil wir wieder einmal von unserem Lagerplatz verscheucht wurden, schliefen wir die letzte Nacht vor der Fahrt nach Barcelona auf dem Bahnhof. Morgens stiegen wir in den Zug und erreichten nach einer langen Zugfahrt den Hauptbahnhof in Barcelona. Alle waren erschöpft und nun musste Matzu, der meinte, er könne Spanisch sprechen, einen Campingplatz ausfindig machen. Natürlich fand dieser einen, zugleich mit exquisiten Preisen. Der Campingplatz befand sich 20 Kilometer südlich von Barcelona direkt am Meer. Neben Fußballspielen, Hackisacken, Lesen, Schwimmen und einfach nur Rumgammeln, besichtigten wir auch die Stadt.

Neben Schokoladenmuseum, Altstadt und Fußgängerzone, schauten wir uns die Häuser von Barcelonas berühmtesten Architekten ,Antonio Gaudi, an. Alle waren begeistert. Das hatte sich gelohnt.

Den letzten Tag verbrachten wir am Strand und der eine oder andere wurde zum Indianer.

Schließlich waren wir die Fahrt wieder vorbei und wir fuhren im Bus zurück nach Hause. Nach langer, nicht so angenehmer, Busfahrt erreichten wir Kassel, von wo wir weiter nach Göttingen mit dem Zug fuhren.

Trotz der Strapazen war es auf jeden Fall eine tolle Sommerfahrt.