The relaxing Tobi

Streß, der: Nach H. Selye die bei über das normale Maß hinausgehende Belastung des Organismus (Hitze, Kälte, Infektion, seelische Belastung, Sauerstoffmangel u.a.) auftretende Alarmreaktion. Das rasche Einsetzen der beteiligten Regulationsprozesse auf einen S. hin gewährleistet Reaktionsbereitschaft und Widerstandskraft des Körpers. Beim andauernden S. kann es zur Fixierung der adaptierten Leistung kommen, die sich u.a. in Bluthochdruck, Magensaftüberproduktion und Schlaflosigkeit mit den entsprechenden Folgekrankheiten (Geschwüre im Magendarm-Trakt, psychosomatische Erkrankungen u.a.) äußert.

Soweit der Brockhaus. Wer Tobi kennt, der kennt auch seine statische Ruhe. Manchmal beschleicht mich der Gedanke, es könnte eine geheimnisvolle Art permanente innerer Meditation sein, die durch synthetische Nahrungszufuhr ermöglicht sein könnte (Lakritze schmeckt spitze!). Ich denke da z.B. an die Zugfahrt. Tobi, der Wächter über die Zugfahrkarten kaut zufrieden diverse Plastikpäckchen mit zähem Inhalt leer, während sich alle die es ihm gleichtun wollten nach den ersten 2 1/2 Packungen, wobei unmerklich ihre Gesichtsfarbe fluktuiert. Vom Weiten kann man den Herrn Schaffner nahen sehen, der sich durch die vollen Gänge quält und freundlich die Fahrscheine kontrolliert.

Die Aufmerksamkeit von 11 Pfadfindern (Wir waren 12 ) richtet sich zunehmend auf den Bahnbeamten. Ein gewisses Mitleidsgefühl kann einen überkommen, wenn man den Menschen dort mit verspannten Gesichtszügen durch die Gänge stampfen sieht, bemüht, nicht in Kurven hinzufallen oder über die Leute im Gang zu stolpern, die kreuz und quer die Idealspur versperren. Erwartngsvoll baut er sich dann vor uns auf und bittet um die Fahrscheine. Eine kleine Handbewegung verweist ihn zu Tobi, der ihn zwar nahen sah, aber solange noch die chemische Zusammensetzung seines Mittagessens, die auf der Katjestüte vermerkt stand, studierte. Nun tritt er in Aktion. Die Fahrkarten ja wo sind sie denn jetzt eigentlich? In der Deckeltasche vom Rucksack, ganz klar! Doch wo ist der Rucksack nun? Als dann wird der Waggon durchstöbert, bis er seinen Rucksack im nächsten Waggon auch tatsächlich unter einem anderen findet.

Nun wird in sachlicher Gründlichkeit festgestellt, dass die Fahrkarten sich doch nicht in der Deckeltasche, noch sonst irgendwo in Tobis Rucksack befinden. Da kommt die Erleuchtung: Die Fahrkarten sind vor Diebstahl perfekt geschützt im Hordentopf verstaut, der nun wieder irgendwo bei unseren Sitzplätzen zwei Waggons in die andere Richtung steht.

Mit einem kleinen Seufzer stempelt der Schaffner nun die Tickets ab (Wieviel Zeit bis dahin vergangen ist kann sich jeder selbst ausmalen). Ein anschließender Blick auf die Uhr verrät, daß wir in ein paar Minuten umsteigen müssen, doch auf welches Gleis müssen wir? Das steht natürlich auf den Zugverbindungen, die bei den Fahrkarten liegen, welche schon wieder verpackt sind. Jetzt bloß keine Panik, erstmal aussteigen und dann schauen wir mal... Gesagt, getan. Ein prüfender Blick auf die Zugverbindung mahnt uns zu einem Sprint über den Bahnhof. Gerade noch den Anschlußzug erreicht, plumpsen wir erschöpft in die Sitze, nachdem wir unser Gepäck irgendwo verstaut haben, wo noch ein wenig Platz war und mühselig aus unseren Reservierungen schlau wurden. Da kommt der Schaffner vorbei, der uns beim Einsteigen die Tür offen gehalten hat. Freundlich bittet er um die Fahrkarten. Ja, wo sind sie jetzt eigentlich...?

Eins ist sicher Tobi wird nie Magengeschwüre oder ähnliches wegen Streß bekommen, aber was ist mit uns?

Ende

Martin

 

P.S.: Kommentar von Tobi zu dem Text: Naja, ist ja für einen guten Zweck.