Bau unserer neuen Köhte

Seit vielen Jahre steht auf dem Gelände, das wir von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen, eine Köhlerhütte. Vor zwei Jahren war es dann wieder so weit: die Köhte war morsch und musste abgerissen werden. Zur gleichen Zeit ließen uns viele Ältere im Stich, so daß wir zuviel mit uns selbst zutun hatten, um an einen Wiederaufbau zu denken.

Im diesem Frühjahr wurde die Planung für eine neue Köhte vollendet, und in den Osterferien wurde die neue Köhte schließlich errichtet.

Der Vorgänger

Die alte Köhte hatte einen Durchmesser von gut 4 m. Sie bestand aus einer Lage aus ca. 90 dünnen Fichtenstämmen, einer Lage Teerpappe, einer weiteren Lage Fichtenstämme und einer Schicht Schalholz. Die Stämme hatten unsere Vorgänger kostenlos vom Förster bekommen. Das Schalholz war mit Holzschutzmittel getränkt.

Ansprüche an die neue Köhte

Nach dem Abreißen der alten Köhte hatten wir noch lange Zeit viel Vergnügen mit dem entstanden Müll, denn das holzschutzmittelgetränke Holz konnten wir nicht verbrennen und die Teerpappe türmte sich zu Bergen. An die neue Köhte stellten wir deshalb die folgenden Ansprüche, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten:

     

  • Teerpappe sollte nicht zur Anwendung kommen.
  • Die Köhte sollte dennoch regendicht sein.
  • Auf Holzschutzmittel wollten wir verzichten.
  • Der Aufbau sollte nicht zu aufwendig sein.
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Die neue Köhte

Die folgenden Zeilen beschreiben mit wenigen Worten die Konstruktion der Köhte, wie sie letztenendes gebaut wurde.

Als Gerüst dienen acht Balken 10 x 10 cm, die oben an einem aus Rechteckstahlrohr zusammengeschweißten Ring festgeschraubt werden. Die Balken werden nicht eingebraben, sondern einfach auf flache Steinplatten gestellt. Das erspart Buddelarbeit und verringert Fäulnisbildung. Auf dem Ring ist mit Abstandhaltern ein flaches, rundes Dach angeschweißt. Als Verschalung benutzen wir etwa 60 m² Bretter mit einem Querschnitt von 20 x 2,4 cm, die waagerecht von Balken zu Balken mit einer Überlappung von 3 cm angeschraubt werden. Um auf Holzschutzmittel verzichten zu können, verwenden wir Lärchenholz; das hat einen hohen Harzgehalt und hält sich auch so. Tür und Sitzbank bauen wir wie aus den Skizzen ersichtlich (hier nicht vorhanden).

Der Bau

Donnerstag, erster Tag

Alle Versuche, die acht Stützbalken aufzustellen scheitern: Die Schrauben (10 mm), mit denen die Balken oben am Metallring festgeschraubt sind, verbiegen, die Kontruktion verdreht sich unter ihrem eigenen Gewicht. Große Frustration.

Freitag, zweiter Tag

Die rettende Idee...

Im Laufe weiterer erfolgloser Versuche freunden wir uns mit der Idee an, ein Riesendreibein über der Köhte zu errichten, an der wir die Konstruktion hochziehen. Dazu kaufen wir ein: 15 m Seil (10 m haben wir schon) und eine Doppel- und eine Einzelrolle für einen Flaschenzug. Und tatsächlich: Mit Hilfe des gut sechs Meter hohen Dreibeins funktioniert es bald, die ersten drei Balken stehen. Innerhalb einer halben Stunde sind auch die restlichen Balken angebracht und festgeschraubt. Hochstimmung am Abend.

Samstag, dritter Tag

Die Stabel werden kleiner...

Die gute Stimmung verliert sich schnell, als wir die unterste Schicht Bretter mit zu kurzem Zollstock ausmessen, zusägen und anbringen wollen: Alles dauert sehr lange und zum Schluß passt keines der Bretter vernünftig, zu allem Überfluss spalten die Bretter beim Eindrehen der Schrauben. Wir fahren wieder Einkaufen: diesmal ein 3 m-Maßband. Wir teilen uns in zwei Gruppen: eine misst aus und sägt, eine bohrt vor und schraubt. Hier erleben wir, wie schnell man bei handwerklichen Tätigkeiten Routine bekommt: innerhalb kurzer Zeit finden wir immer mehr Möglichkeiten, die Arbeitsschritte zu vereinfachen und gleichzeitig genauer zu arbeiten; die Arbeit geht gut von der Hand. Wir arbeiten bis spät Abends und gönnen uns zum Schluss eine Runde Döner, wozu Elmar ein weiteres Mal in die Stadt fährt.

Sonntag, vierter und vorerst letzter Tag

... und die Köhte wächst!

Wir stehen früh auf und gehen sofort wieder an die Arbeit. Es gibt nun keine Tiefschläge mehr, doch kleinere Hürden gibt es immer noch zu meistern: Mit der Zeit müssen in immer größerer Höhe Bretter angeschraubt werden, wozu schließlich drei Leute auf drei mehr oder weniger kippligen Leitern stehen und ihr Bestes tun. Um neun Uhr im Stockdunkeln ist es schließlich soweit: auch die Türöffnung ist gesägt, das Ziel für diesen ersten Bauabschnitt.

Samstag vor Ferienende

Wir treffen uns um 10 Uhr morgens. Einiges muß erledigt werden, denn am nächsten Wochenende haben wir Gäste aus Hamburg. Tatsächlich werden Tür und Bänke soweit fertig, daß wir sie provisorisch benutzen können.

Sonntag vor Ferienende

Telefonat: "...hast Du gerade Zeit?" - "Wieso?" - "Feuerstelle..." - "Klar!". Zement und Steine sind bereits eingekauft - Also los. Wir entscheiden uns für eine achteckige Feuerstelle, die zur Form der Köhte paßt und mit den Ziegelsteinen am besten gemauert werden kann. Leider reicht der Beton nicht, doch am Montag ist auch die Feuerstelle fertig.

Tobi, 1998