Mannschaftsfahrt nach Korsika

Mit dabei auf dieser Fahrt:

Christoph Rodewald, Jan Nannen, John-Wesley Zielmann, Martin Grüneklee, Tobias Weidelt.

 

Wir haben das Gewitter überstanden...

Krachend schlägt ein Blitz knapp über uns in den Gipfel ein. Die Luft knistert, uns stehen die Haare zu Berge und unsere Zähne klappern, während der Hagel auf dem Blechdach trommelt. Wie lange wird es noch dauern? Seit Stunden sitzen wir auf dem zweit höchsten Berg Korsikas in einer Schutzhütte.

Kurzfristig hatte sich unsere 5er-Crew in Bastia am Hafen dazu entschlossen, die Wege der mit Skistock und Pumaboots ausgerüsteten Touristen zu meiden und auf den beschwerlicheren Pfaden die „wahre Wildnis“ Korsikas zu erleben. Den Kick sollte der Gipfel des 2622 m hohen Monte Rotondo liefern.

In den ersten Tagen hatten wir uns durch Täler und Schluchten über und durch Flüsse bis zum Fuße des Giganten vorgearbeitet. Bei sinkender Sonne hatten wir gestern die Baumgrenze hinter uns gelassen und unsere Kohte am See Orientale in 2000 m Höhe aufgeschlagen. Während wir noch am Feuer, das sich im See spiegelte, saßen und sangen, zog die Nacht kalt und feucht herauf.

Am nächsten Tag sollten wir erfahren, was die roten Kreuze auf einer korsischen Wanderkarte bedeuten. Heute noch wachen wir manchmal schweißgebadet auf, wenn wir plötzlich wieder mitten zwischen glitschigen Felsen, schwindelerregenden Abgründen und verdammt steilen Schneefeldern zu stehen scheinen. Der Weg führte etwa 30 Meter unter dem Gipfel entlang. Deshalb setzten wir das Gepäck ab und kletterten das Stück nach oben. Wir sangen ein Lied und tranken ein paar Schluck Wasser.

Auf einmal fing es an zu nieseln. Das Nieseln verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in ein ausgewachsenes Gewitter. Wir flüchteten in die Wellblechdachschutzthütte, die sich ungefähr fünf Meter unter dem Gipfel befand. In einem vermeintlich guten Augenblick lief der erste los, seinen Rucksack und genügend unserer Regenponchos zu holen. Nach 20 Minuten war er zurück. Die anderen versuchten, trockener zurückzukommen, was ihnen nicht glückte. Durchgeweicht saßen wir nun um vier Uhr nachmittags bei einem, durch den Hagel auf dem Dach verursachten, Höllenlärm in dieser Hütte. Wir beschlossen, die Nacht über hier zu verbringen.

 

Nach der aufregenden Nacht bei Donner, Regen und Hagel rutschten wir am nächsten Tag vom Monte Rotondo hinunter und versuchten verzweifelt die Regen-Hagel-Pausen zu nutzen, die das Wetter uns gewährte. Die heraufziehenden Wolken ließen uns bald keine zehn Meter weit mehr sehen. Hinzu kam, dass Touristen immer wieder aus „Spaߓ die als Wegmarkierung dienenden Steinhaufen umgeschmissen und an anderer Stelle aufgebaut hatten, so dass wir den Weg bald verloren hatten. Schritt für Schritt ging es nun querfeldein abwärts. Mehrmals mussten wir umkehren und wieder zurückklettern, weil wir auf einmal vor einem Abhang standen.

Schließlich erblickten wir doch noch den Weg und bald auch eine Hütte, was einen Hauch von Wärme in unseren Herzen weckte. Als wir dort ankamen, stellte sich heraus, dass die Hütte ein kleiner Bauernhof war, der hauptsächlich aus „Steiniglus“ bestand – typisch korsisch. Auf einmal setzte wieder ein enormer Platzregen ein, der uns noch einmal gründlich durchnässte, bevor wir uns mit Erlaubnis der Besitzer in eine der türlosen Bauten retten konnten. Ein Blick auf die Karte verriet uns, dass wir auf dem falschen Bergkamm waren und die Berghütte, zu der wir ursprünglich wollten, gerade noch in Sichtweite auf einem anderem Bergkamm lag – ungefähre Schwimmzeit: eineinhalb Stunden, also unerreichbar. Der Regen hörte bald auf, doch alles war matschig, und wir überlegten gerade, hier im schlammigen Unterstand die Nacht zu verbringen, als die Bergbauern uns anboten, in einem ihrer Steiniglus zu übernachten, was wir erfreut annahmen. Sie versicherten uns, bis zum nächsten Abend werde es nicht mehr regnen und verabschiedeten sich daraufhin zu unserer Überraschung. Sie wollten bis zur Dunkelheit das nächste Dorf erreicht haben, um einzukaufen. Schnell holten wir die Gitarre heraus, um uns mit einem Lied für die Gastfreundschaft und das entgegengebrachte Vertrauen zu bedanken.

Martin, Jan und Tobi