Tagebuch der Gardaseefahrt Ostern 2000

Gruppe Tuareg

Auf dem Weg zum Gipfel des Monte Altissiomo am Gardasee

Sa. 15.04.2000

Zugfahrt über München nach Rovereto

     

  • falscher Zug schon in Gö. 11.08 Uhr statt 11.19 Uhr
  • in Rovereto um 04.47 Uhr statt 01.49 Uhr
  • Übernachtung am Ortsausgang am Fluss
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So. 16.04.2000

Wanderung zum Bahnhof

Wir wollten mit dem Bus um 10.49 Uhr nach Torbole fahren, doch dieser kam nicht. Auf dem Busplan waren irgendwelche Zeichen sogar mit Erklärung, doch diese waren auf Italienisch, so konnten wir ihre Bedeutung nicht eindeutig erkennen. Der nächste Bus sollte um 11.44 fahren, doch auch dieser kam nicht. 12.37 auch nicht.

Erst der Bus, der mit 13.02 aufgelistet war, erschien mit zehn minütiger Verspätung.

In Torbole angekommen liefen wir ein Stück Treppen hinauf. Ein Stück weiter Entdeckten wir eine Hölle, die wir erkundeten. Eine Stunde später aßen wir Chabatta-Brot zu Mittag.

Der Weg war ziemlich steil und anstrengend. Um sechs Uhr suchten wir uns einen Schlafplatz und bauten die Kohte auf. Wir waren ziemlich dreist, denn der Platz war direkt an einem Weg, der von Autos (besonders von Forstautos) befahren werden konnte. Prompt, als wir die Kohte eingerichtet und mit dem Kochen begonnen hatten, kam ein Forstauto mit zwei Forstmenschen. Sie machten uns klar, dass es verboten ist im Wald zu campen, doch der nun einsetzende Regen stimmte sie wohl milder, so dass sie nur unsere Pässe sehen wollten - Roman kam sogar mit seiner BahnCard als Ersatzpass durch. Sie schrieben unsere Passnummern auf und sagten, dass wenn sie am nächsten Tag irgendwo Müll finden würden, es Ärger gäbe. Sie fragten uns noch ob wir nicht einen Erwachsenen dabei hätten und als wir dies verneinten, ob wir es nicht für gefährlich hielten uns hier "allein" aufzuhalten. Dann fuhren sie wieder. Auf dem Rückweg von ihrer Patroullie hielten sie noch einmal an und der eine sagte, dass wenn wir Feuer machen wollten wir einen Ring aus Steinen legen sollten und dies nur wenn es geregnet hatte machen sollten. Wir fragten uns warum sie uns sogar erlaubten Feuer zu machen - vielleicht hatten sie Mitleid mit uns armen kleinen Pfadfindern.

Mo. 17.04.2000

Es regnete die ganze Nacht und am nächsten Morgen wurden wir durch Motorengeräusche geweckt. Es war mal wieder ein Forstmensch, der auch unsere Pässe sehen wollte. Er fragte was wir hier machen würden und sagte es wäre doch alles doof hier bei diesem Wetter und wir sollten in den Süden fahren. Dann fuhr er. Wir kamen wegen dem Regen erst gegen 12 Uhr los und halfen kurze Zeit später einem Motorradfahrer, der mit seinem Sohn unterwegs war und sich festgefahren hatte, indem wir sein Motorrad anschoben (- jeden Tag eine gute Tat).

Wir liefen bis zu einer Ferienhaussiedlung und untersuchten sie. Juli fand einen Topf und nahm ihn mit. Es regnete immer noch. Wir gingen ein Stück bis zu der Quelle "Acqua d' oro", aus der man eigentlich nicht trinken sollte. Hier aßen wir zu Mittag. Weiter ging es bis zu den Ferienhäusern, bei denen schon die Gruppen Sekani und Miwok auf ihrer gemeinsamen Sommerfahrt 1996 übernachtet hatten. Wir machten eine Pause an einem Schneefeld und gingen dann zu einer Kirche ein Stück weiter oben und schliefen unter einem Vordach.

Di. 18.04.2000

Es gab Müsli mit warmer Milch aus geschmolzenem Schnee und Milchpulver zum Frühstück, dann liefen wir ein Stück nach oben und suchten bei der nächsten Ferienhaussiedlung nach Wasser. Wir trafen zwei Österreicher, die uns sagten, dass sie nicht ganz oben gewesen wären weil der Schnee tiefer wird. Man sah auch an ihren nassen Hosen, dass der Schnee fast Hüfttiefe haben müsste. Wir liefen ohne Wasser weiter und wollten dann aus Schnee Wasser gewinnen. Tatsächlich wurde der Schnee tiefer und man sackte fast bei jedem zweiten Schritt mindestens bis zum Knie ein. Die Hosenbeine wurden nässer und in den Schuhen sammelte sich der Schnee, der mit der Zeit zu Wasser wurde, so dass die Schuhe von innen her einweichten. Eine Laufstunde vor dem Gipfel des Monte Altissimo machten wir auf einer schneefreien "Insel" Mittagspause. Auch das letzte Stück zum Gipfel lag der Schnee gleich hoch, so dass man häufig einsackte. Auf dem Gipfel war es sehr frostig und windig, so dass wir eigentlich keine Lust hatten in der Kohte zu übernachten.

Wir gingen mit Gepäck ein Stück unter den Gipfel und bauten die Kohte auf. Bevor wir die Kohte am Endpunkt aufbauten, bauten wir sie für ein Foto auf einem sehr schrägen Schneefeld auf. Nach dem Aufbau verkrochen sich alle ersteinmal in die Schlafsäcke um sich wieder ein bisschenn aufzuwärmen. Dann holten wir uns einen Poncho voll Schnee in die Kohte und kochten damit Nudel mit Käsesauce, Tee, Kaffee und Pudding. Wir hatten die Kohte extra dicht über dem Boden aufgebaut um den starken Wind abzuhalten und die Wärme zu halten.

Mi. 19.04.2000

Wir stiegen bis auf 1500 m ab und liefen dann einige Kilometer auf einer Straße.

Als wir Mittagspause machten begann es zu regnen und wir setzten uns unter ein Vordach. Juli fand eine Espressomaschine, die er stundenlang putzte. Wir beschlossen den Boden unter dem Vordach zu säubern und dort zu schlafen. Wir vermissten die Jägersauce für die Kartoffelklöße und fanden sie auch nicht, deshalb aßen wir Pfeffersauce dazu. Es wehte eisiger Wind und die Klöße schmeckten nicht. In der Nacht regnete es.

Do. 20.04.2000

Wir überholten zuerst zu Fuß zwei Radfahrer; dann wollten wir über den regulären Wanderweg auf den "Telegrafo" steigen, doch es lag zu viel Schnee, so dass wir nach 200 m umkehren mussten. Wir versuchten es an einer anderen Stelle, doch es wurde zu gefährlich, so dass wir uns auf unsere Ponchos setzten und in einer Schneerinne nach unten rutschten. Mit nassen Füßen ging es eine Stunde weiter bis zu einem Lift, an dem wir Mittagspause in der Sonne machten.

Nach einer Pause gingen wir ein Stück weiter bis zu einem Haus, wo es Eis gab. Wir kauften Gruppeneis und liefen auf der Straße nach unten. Zum Schluss gingen wir wieder ein bisschen nach oben in den Wald und schliefen auf einer Wiese.

Fr. 21.04.2000

Es war gutes Wetter und es ging weiter nach oben. Oben liefen wir an einem Feldweg entlang und machten in der prallen Mittagssonne Pause. Nach der Pause ging es viele Höhenmeter nach unten. Im Vorort von Caprino füllten wir unsere Flaschen auf. Von dort aus mussten wir auf der Straße in der Sonne laufen. In der Stadt machten wir zuerst den Supermarkt ausfindig, der aber nach ¼ Stunde schloss. Wir hatten aber noch die Zeit zwei Liter Eis usw. zu kaufen. Dann suchten wir uns einen Schlafplatz am Ortsausgang und hörten uns in den Schlafsäcken den Karfreitagsgottesdienst an.

Sa. 22.04.2000, "Tag des Konsums"

Nach dem Aufstehen gingen wir zum Supermarkt und konsumierten Eis und andere Lebensmittel. Wir wollten gegen 15 Uhr loslaufen, doch als wir alles gepackt hatten beschlossen wir nachts zu laufen, weil die Mittagshitze noch zu groß war. Wir gingen noch einmal zum Supermarkt, kauften bis zum Anschlag die billigsten Getränke in allen Farben und setzten uns vor einen Springbrunnen, spielten Karten und tranken unsere nicht immer gut schmeckenden Getränke bis zu Flüssigkeitsflash. Ungefähr um acht liefen wir dann los nach Garda und kamen dort um 22 Uhr an. Wir übernachteten in einem Olivenhain.

So. 23.04.2000

Ein kühles Bad

Wir versteckten das Gepäck und gingen mit Schwimmsachen und Waschzeug in die Stadt runter. Wir kauften Brötchen und aßen Frühstück. Dann gingen wir schwimmen. Es war recht frisch und so waren wir die einzigen die sich ins Wasser trauten. Danach gingen wir wieder nach oben und aßen sehr lecker zu Abend (Gemüse-Curryreis). Wir wollten am nächsten Tag mit einem Schiff nach Salò ans andere Ufer des Sees fahren um dort zu wandern.

Wir hatten keine Kohte aufgebaut und es begann zu regnen kurz nachdem wir uns in die Schlafsäcke gelegt hatten. Als es bis 3 Uhr nachts nicht aufgehörte bauten wir die Kohte im Regen auf.

Mo. 24.04.2000

Wir trockneten unsere Sachen in der heißen Sonne und kauften im Supermarkt kurz vor Ladenschluss (Feiertag) unser Frühstück-Mittag-Essen. Gegen Abend gingen wir in die Stadt und guckten nach einem Schiff nach Salò, doch die Preise waren für uns zu hoch und das nächste Schiff wäre erst am nächsten Morgen gefahren. So beschlossen wir über Affi doch nach Verona zu laufen. Wir liefen in der letzten Abendsonne nach Bardolino. Auf dem Weg dorthin hörten wir von allen Seiten: "oh Boyscout", "guck' mal Pfadfinder", "...", was auf die Dauer ziemlich nervig war. Wir wollten nun endlich die Touristenmetropolen wieder verlassen und so gingen wir vom See weg, Richtung Affi. Wir fanden keinen guten Platz für die Kohte, deshalb legten wir uns wieder direkt ins Gras neben eine Straße und hatten so Ponchos und Kohtenbahnen zur Verfügung, falls es regnen sollte.

Di. 25.04.2000

Wir frühstückten und liefen dann in Richtung Affi. In Cavaion guckten wir nach einem Laden und es gab auch einen, aber der machte erst drei Stunden später wieder auf und so gingen wir nach Affi, wo es ein großes Einkaufszentrum gab. Hier kauften wir Essen für die nächsten drei Tage.

Gegen Abend liefen wir nach Rivoli und ließen uns ohne Kohte in einem Weinberg nieder.

Mi. 26.04.2000

Wir suchten eine Brücke über den Fluss, doch in der näheren Umgebung gab es keine. Also liefen wir zuerst zu einem nahegelegenen Tretbecken und "badeten". Wir machten einige gestellte Fotos und kochten Kaffee "ohne Ende" (Lieblingsauspruch von Joschka auf dieser Fahrt). Da nach liefen wir Richtung Dolce und suchten eine Brücke, die es nur auf der Karte gab. Dann liefen Juli und ich weiter Richtung Dolce. Als es uns zu weit wurde trampten wir nach Dolce. Dort gab es eine Brücke, doch es wäre zu weit weg gewesen um dort mit dem Gepäck hinzulaufen. Dann trampten wir wieder zurück zu den anderen und liefen dann zusammen wieder zurück an unserem vorherigen Lagerplatz vorbei bis zu einer Schleusenanlage bei Gaium.

Do. 27.04.2000

Wir liefen durch Dörfer und frühstückten erst als wir wieder Wasser hatten. Dann ging es an der Straße entlang Richtung Verona. An einem Weg in einem Weinberg machten wir eine ausgiebige Mittagspause mit Kaffee, Pudding, Brot und Spaghetti.

Es ging nun ein Weg direkt am Fluss entlang und als wir die ersten Vororte von Verona gegen 19 Uhr erblickten blieben wir in einem Weinberg direkt am Weg, weil wir in Verona keine Übernachtungsmöglichkeit gehabt hätten.

Fr. 28.04.2000

Bald erreichten wir die Vororte von Verona. Dort musstem wir mehrmals Bäche überqueren.Beim ersten Supermarkt kauften wir Eis und zu Trinken. Roman ging es nicht so gut und er konnte kein Eis essen. In Verona war es nicht einfach den Campingplatz ausfindig zu machen und als wir den Unteren Eingang erreicht hatten machten sich Juli und Roman auf um uns bei der Rezeption anzumelden und dann das Tor zu öffnen. Nach ca. einer Dreiviertelstunde kamen sie gefolgt von einem italienischen Pärchen zurück. Juli und Roman sagten, dass der Campingplatz geschlossen sei und dass die Leute auch Pfadfinder seien und angehalten hätten als sie das verschlossene Tor vorgefunden hätten und dass sie uns in ihrem Heim unterbringen könnten. Auch der Campingplatzbesitzer hatte sich bereiterklärt einen Teil von uns zu fahren. Vier von uns fuhren mit dem ca. 30 Jahre alten Bus des Campingplatzbesitzers hinter den anderen her zum Heim der christlichen Pfadfindergruppe. Eine Leiterin der Pfadfinder zeigte uns mit welchen Bussen wir am nächsten Morgen fahren könnten. Sie erklärte uns weiterhin was wir machen sollten, ging mit uns zum Busfahrkarten kaufen und holte den Hausmeister der Anlage. Es gab dort auch einen Fußballverein und somit auch Umkleiden und Duschen. Der Hausmeister organisierte das wir dort duschen konnten und so duschten wir mit den Fußballhoffnungen des Landes in einer Umkleide. Sogar der Fußballtrainer war sehr freundlich.

Plötzlich kam der Gehilfe des coolen Hausmeisters mit einer 1 kg Salami und wenig später fragte der Hausmeister ob wir italienischen Käse mögen würden und kurze Zeit später hielten wir auch diesen und Schokoriegel in den Händen.

Sa. 29.04.2000

Wir standen früh auf und machten sauber. Denn am Tag zuvor hatten uns die Pfadfinder gegen 15 Uhr zu einem Treffen ihrer Gruppe eingeladen.

In der Stadt kauften wir Brötchen und aßen diese im Amphitheater. Danach wurden wir ständig von Schwarzhändlern angesprochen, die sehr schnell in den Gasse verschwanden als die Polizei um die Ecke kam.

Nach der Stadtbesichtigung war das Treffen und wir lernten viele Leute kennen. Später spielten wir zusammen ein Spiel, das an Sackball erinnerte und uns somit gut gefallen hat. Wir hatten gut eingekauft und begannen nach dem Treffen mit dem Kochen unseres Abschlussessens. Einige hatten uns versprochen auch noch am Abend wieder zu kommen. Als wir draußen beim Kochen waren kam wieder der Hausmeister - nun mit sechs Tüten Brotchips, Pepsi und Käse beladen. Wir konnten uns nicht gegen diese Essensangebote wehren. Er sagte noch zu Simon, dass wir auch am nächsten Tag ein Frühstück bekommen könnten.

Tatsächlich kamen dann noch zehn von den Pfadfindern und wir unterhielten uns auf Englisch-Deutsch und spielten Karten und sangen.

Nach dem Treffen "unterhielten" wir uns mit einem Pfadfinder und seinen Nichtpfadfinderfreunden über "Vergaserinnenbeleuchtungen", "offene Zylinderköpfe", neue "Zylinderrückholfedern" und den saftigen Sound von "offenen Vierzylindermotoren".

Wir wollten nicht verschlafen, deshalb machten wir durch.

So. 30.04.2000

Am Morgen trafen wir noch kurz die anderen Pfadfinder am Bahnhof, weil sie auf eine Wochenendfahrt fuhren. Juli tauschte noch sein Halstuch mit einem Pfadfinder und wir machten uns auf den Weg.

Sehr müde, aber zufrieden kamen wir nach 14-stündiger Zugfahrt um etwa 23 Uhr in Göttingen an.

Moritz